Nachhaltiges Bauen
 und textile Bodenbeläge

Wie wichtig Nachhaltigkeit im Gebäude- bzw. Bausektor ist zeigen die Statistiken der Europäischen Kommission: Der Gebäudesektor ist energieintensiv und ist verantwortlich für einen großen Teil des CO2-Ausstoßes in der Europäischen Union. Erfahren Sie mehr über das Thema Nachhaltigkeit, insbesondere in Bezug auf textile Bodenbeläge.

Nachhaltigkeit im Bau- bzw. Gebäudesektor

Gebäude sind laut den Erhebungen der Europäischen Kommission für 40% des europäischen Energieverbrauchs sowie für 36% der CO2-Emmissionen verantwortlich. Der Gebäudebestand ist insgesamt zu 75% energie-ineffizient in Europa und bedarf der Modernisierung. Aus diesem Grund plant die Europäische Kommission mit dem so genannten „Green Deal“ in den nächsten Jahrzehnten nicht nur die Sanierung und Modernisierung der bestehenden Gebäude in der EU zu unterstützen, sondern vor allem auf energie-effizienten Neubau und auf das Prinzip der Kreislaufwirtschaft zu setzen. Mehr Informationen dazu bekommen Sie auf den Internetseiten der Europäischen Kommission.

Nachhaltigkeit: Ein weitreichendes Konzept

Häufig wird mit dem Begriff der Nachhaltigkeit lediglich die Dimension der Umwelt bzw. ökologische Folgen des Wirtschaftens in Zusammenhang gebracht. Allerdings ist das Konzept der Nachhaltigkeit viel weiter definiert und besteht aus den drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie sowie Soziales und Kulturelles, die am Beispiel von Gebäuden in einer Einheit betrachtet werden müssen. Alle Dimensionen bzw. die verschiedenen Aspekte jeder Dimension fließen in eine Lebenszyklusbetrachtung eines Gebäudes ein und können so gezielt optimiert werden. Nur so erhält man einen umfassenden und objektiven Einblick in die Nachhaltigkeit eines Gebäudes.
 
Ökonomische Dimension
In dieser Dimension finden neben den Anschaffungs- bzw. Errichtungskosten auch die Baufolgekosten Betrachtung, welche während der gesamten Lebens- bzw. Nutzungsdauer anfallen. Dazu zählen die folgenden Einzelkosten wie zum Beispiel die gesamten Errichtungskosten – vom Grundstück über die Planungs- und Baukosten bis hin zu Versicherungen -, die Nutzungskosten – wie zum Beispiel Energie, Wasser und Entsorgung, aber auch die Reinigung, Wartung und Instandhaltung des Gebäudes – und die Rückbaukosten – vom Abriss über den Transport bis hin zur Entsorgung bzw. Wiederverwendung (Recycling).
 
Ökologische Dimension
Bei der Betrachtung der ökologischen Dimension werden beim Bau, dem Betrieb und dem Rückbau von Gebäuden vor allem die Aspekte Ressourcenschonung und Minimierung des Medienverbrauches (z. B. Heizen, Strom, Wasser und Abwasser) in den Fokus gesetzt.
Ziel ist es hier die Umweltbelastung zu reduzieren. Mit folgenden Indikatoren werden derzeit objektive Bewertungen der Umweltbelastung eines Gebäudes vorgenommen:
  • Flächeninanspruchnahme
  • Primärenergieaufwand (erneuerbar /nicht erneuerbar),
  • Treibhauspotenzial (GWP), im Hinblick auf die "Erderwärmung"
  • Ozonzerstörungspotenzial (ODP), im Hinblick auf das "Ozonloch"
  • Versauerungspotenzial (AP), im Hinblick auf den "Sauren Regen"
  • Überdüngungspotenzial (EP), im Hinblick auf Gewässer bzw. Grundwasser
  • Ozonbildungspotenzial (POCP), im Hinblick auf den "Sommersmog"
 
Soziale und kulturelle Dimension
Die soziale und kulturelle Dimension von Nachhaltigkeit wird in den Bereichen Ästhetik, Gestaltung, Barrierefreiheit und Aspekte des Gesundheitsschutzes und Behaglichkeit betrachtet. Um in dieser Dimension eine objektive Betrachtung und vor allem eine optimale Ausführung schon in der Planung eines Gebäudes zu erhalten, werden Schutzziele für jeden Aspekt definiert. Die gestalterischen und ästhetischen Eigenschaften eines Gebäudes (z.B. Raumgeometrie, Materialität, Farbgebung usw.) und die daraus resultierenden Fragen der Identität und Akzeptanz durch die Nutzer des Gebäudes sind lediglich durch qualitative Faktoren beschreibbar. Unumstritten ist aber, dass eine höhere Nutzerzufriedenheit und eine gesellschaftliche Akzeptanz eines Gebäudes zu einer besonderen Wertschätzung und Wertbeständigkeit des Gebäudes führen und somit dieses nachhaltiger machen.
Außerdem werden auch die Barrierefreiheit (Nutzbarkeit und Flexibilität der Nutzung) sowie gesundheitliche und Aspekte der Behaglichkeit (thermisch, hygienisch, akustisch und optisch) berücksichtigt.
Ausgeschlossen werden vorn vornherein (durch gesetzliche Vorgaben) zum Beispiel Problemstoffe oder Umwelteinflüsse (z.B. Lärm, Zugluft, unzureichende Beleuchtung), die die Gesundheit der Nutzer gefährden können. Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

„Ökobilanzen“ für nachhaltige Bauprodukte

Jedes einzelne Bauprodukt, Bodenbeläge eingeschlossen, beeinflusst die ökologische Qualität des gesamten Bauwerks. Die nachhaltige Produktion von Bauprodukten erfordert einen weitsichtigen und effizienten Umgang mit Ressourcen sowie energiesparende Prozesse und Transportwege. Im Rahmen der Europäischen Normierungsarbeiten des CEN/TC 350, haben sich Umweltproduktdeklarationen (engl.: Environmental Product Declarations = EPD) als Werkzeug zur harmonisierten Darstellung und Berechnung von Nachhaltigkeitsinformationen bewährt. Bei der Bewertung von nachhaltigen Gebäuden spielen EPDs heute eine entscheidende Rolle.

Textile Bodenbeläge und Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiges Bauen

Die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. (GUT) hat bereits vor 10 Jahren damit begonnen ein umfangreiches EPD-Programm für textile Bodenbeläge zu entwickeln. In Kooperation mit dem Institut Bauen und Umwelt (IBU e.V.) wurden generische EPDs für fast alle textilen Bodenbelagsvarianten öffentlich zur Verfügung gestellt (diese Daten sind auch über die Datenbank Ökobaudat zugänglich). Daneben beteiligen sich führende internationale Bodenbelagshersteller mit einer Vielzahl (Stand 2019, über 350 EPDs) produktspezifischer EPDs an diesem Programm.

Neben der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit, die durch Umweltproduktdeklarationen objektiv und dadurch vergleichbar dargestellt wird, haben textile Bodenbeläge vor allem in der sozialen und kulturellen Dimension Einfluss auf die Nachhaltigkeit eines Gebäudes bzw. des spezifischen Raumes, in dem sie verlegt werden.

Insbesondere können durch textile Bodenbeläge ästhetische und gestalterische sowie Aspekte der Gesundheit und des Wohlbehagens beeinflusst werden.

Erfahren Sie mehr über die Nachhaltigkeit von textilen Bodenbelägen

Umweltprodukt-Deklarationen

EPDs (Environmental Product Declarations = Umweltproduktdeklarationen) geben Auskunft über die Umweltauswirkungen eines Bauproduktes. Transparent, unabhängig und nachvollziehbar. Damit liefern EPDs wertvolle Entscheidungshilfen für Planer, Architekten und Bauherren hinsichtlich der Ökobilanz eines textilen Bodenbelages.

Luftqualität in Räumen

Ziel ist es eine Luftqualität im Innenraum zu gewährleisten, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Raumnutzer nicht schädigt. Nach dem DGNB Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen müssen die Mindestanforderungen an die Innenraumluftqualität erfüllt sein, da ansonsten die Zertifizierung ausgeschlossen ist. Wie textile Böden die Innenraumluftqualität beeinflussen, erfahren Sie hier.

Kreislaufwirtschaft

Recycling beginnt bereits vor der Produktion eines textilen Bodenbelages. Nur durch die geeignete Auswahl von Rohstoffen und Produktionsverfahren können letztlich recyclingfähige Produkte hergestellt werden. Dies bedeutet, dass die Entscheidungen die heute getroffen werden, die Recyclingfähigkeit textiler Bodenbeläge in 10 bis 15 Jahren maßgeblich beeinflussen. Daher hat die GUT in enger Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern und der Zuliefererindustrie ein umfassendes Kreislaufwirtschaftskonzept entwickelt.